• Karte um 1750 von Johann George Schreiber

Zahlen, Fakten, Ortsgeschichte

Zahlen, Fakten

 

Landkreis: Landkreis Görlitz im Freistaat Sachsenkreis gr

Einwohner: 2594 (Stand: 31.12.2015)

Ortsteile: Rietschen, Daubitz, Teicha, Altliebel, Hammerstadt, Neuliebel

Fläche: 7276,1 ha

Höhe: 140 m ü. NN

 

Verkehrsanbindung:

Ortsdurchfahrt B 115,
25 km bis Autobahn A 4 - Anschlussstelle Nieder-Seifersdorf,
Bahnhof mit Anschluss an Eisenbahnstrecke Cottbus - Görlitz
19 km bis Regionalflugplatz Rothenburg

 

Lage:

35 km nördlich von Görlitz
18 km südlich von Weißwasser
19 km nordwestlich von Rothenburg

Bürgermeister: Ralf Brehmer


Ortgeschichte

 

Rietschen - eine historisch gewachsene Gemeinde

Die jetzige Gemeinde Rietschen entstand aus den früher selbständigen Gemeinden Daubitz, Rietschen, Teicha und Viereichen, welche sich am 15. März 1992 zur Einheitsgemeinde zusammenschlossen. Zur Gemeinde Rietschen gehören seitdem die Ortsteile Daubitz, Teicha, Hammerstadt, Altliebel sowie Neuliebel. Vielfach sprechen die gebürtigen Einwohner auch noch von Orten wie Nieder-Prauske, Neuhammer, Werda, Walddorf, Ziegelei und Heidehäuser, welche auf ursprüngliche Ortsnamen zurückzuführen sind, aber faktisch keine offiziellen Ortsbezeichnungen mehr sind

 

DaubitzBauernhof Lerche, Daubitz, Muskauer Straße, um 1910

Die ersten geschichtlichen Nachrichten von Daubitz stammen aus dem Jahr 1200. Zu diesem Zeitpunkt kamen deutsche Bauern in diese Gegend und erbauten neben der bereits bestehenden wendischen Siedlung Dubc das deutsche Straßendorf Dubc (von dub-Eiche). Die Entwicklung des Ortes ist auf das schnelle Erstarken des Bauernstandes zurückzuführen. Vermutlich um 1250 entsteht die erste Kirche aus Holz. Die erste Erwähnung einer Kirche in Daubitz findet sich 1346 in der Meissener Bistumsmatrikel (Altare in Taup, in der Propstei Bautzen). Eine Fachwerkkirche wird 1651 errichtet, die 1713 - 14 einen Turm mit massiven Unterbau erhält. Bis 1858 wurde in dieser Kirche zu Daubitz neben Deutsch auch Wendisch gepredigt, denn es gehörten zum Kirchspiel neben den vornehmlich deutschen Dörfern Neuhammer, Rietschen, Teicha, Prauske, Werda, Walddorf und Tränke auch die überwiegend wendischen Dörfer Altliebel, Mocholz, Nappatsch, Viereichen, Zweibrück und Berg. Von 1914 - 1916 erfolgte der Neubau der jetzigen Kirche zusammen mit einer Filialkirche in Rietschen.

Aus Zeitdokumenten geht hervor, dass ebenfalls um 1400 das Rittergut mit Schloss und Mühle entstand. Verschiedenste Adelsfamilien lösten einander ab, bis 1895 der Görlitzer Magistrat das Gut kaufte und damit seine Existenz als "Herrschaft" beschloss. Schon seit 1618 besaß Daubitz das Marktrecht und regelmäßig wurden Vieh- und Krammärkte abgehalten. Aus verschiedenen historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass in Daubitz bereits 1589 eine Schule existierte. Sie ist die älteste im genannten Kirchspiel Daubitz, in anderen Dörfern wurden erst wesentlich später Schulen eingerichtet. 1925 wird die neue Schule erbaut.

Rietschen

Dieser Ort verdankt seinen Namen seiner Lage am Weißen Schöps. Die Bezeichnung Rietschen entstand aus dem Wort Recia (Flusssiedlung) und von reka (Fluss). Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1362. Auch in Rietschen war ein Gutskomplex, welcher seit 1409 in den Aufzeichnungen zu finden ist, Mittel- und Ausgangspunkt der örtlichen Entwicklung. Das Görlitzer Zentralhospital übernahm dieses Rittergut 1864. Der Umschwung zur Industrialisierung des Ortes setzte mit der Befestigung der Landstraße Muskau - Rietschen 1841 und dem Bau der Eisenbahnlinie Berlin - Görlitz 1867 mit einem Bahnhof in Rietschen ein. Daraufhin wurde 1870 die erste Glashütte in Rietschen durch die Gebrüder Schober gegründet, 1875 von der Glasmacherfamilie Greiner übernommen, 1885 eine zweite in Betrieb genommen und damit eine Glasmachertradition, die bis ins Jahr 1995 fortgeführt wurde, aufgebaut.

Die erste Poststelle wurde im Juli 1856 eingerichtet, 1898 eröffnete das Kaiserliche Postamt. Darin integriert war die bereits am 1. November 1877 eröffnete Telegraphen-Betriebsstelle. 1907 begann die Gründung des Betriebs "Bergbaugesellschaft Teicha", welche auf dem Territorium der Dörfer Teicha und Rietschen die vorhandenen Tonvorkommen ausnutzte und zur Produktion von Schamottesteinen (ab 1910) abbaute. Dieses Unternehmen entwickelte sich neben der Glasherstellung zum größten Arbeitgeber des Ortes, es produzierte bis 1991 feuerfestes Material. Daneben entwickelten sich jedoch auch kleine Handwerks-, Gewerbe- und Handelsbetriebe sowie eine großflächig angelegte intensive Land-, Teich- und Forstwirtschaft.

Anfangs schulmäßig zu Daubitz gehörend, wurde im späteren Ortsteil von Rietschen, in Nieder-Prauske, 1847 eine Schule eingerichtet. Im Ort Rietschen selbst gab es seit 1885 eine eigene Schule. 1914 bis 1916 wurde die erste Kirche in Rietschen erbaut, welche aber als Tochterkirche von Daubitz geführt wurde. 1931 wurde Rietschen mit den Orten Nieder-Prauske, Werda, Linda, Hammerstadt und Neuliebel eine eigene Kirchgemeinde, pfarramtlich verbunden mit Daubitz.

TeichaBergziegelei

Die Geschichte des Dorfes Teicha (Hatk - das heißt "Kleine Teich") ist im Wesentlichen geprägt durch zwei Faktoren: die Entwicklung des Gutshofes, der bereits im Jahr 1466 erwähnt wurde, und dem Abbau von Bodenschätzen (Ton und Lehm) für die 1907 gegründete "Bergbaugesellschaft Teicha". Mit Wasserkraft wurden zwei Mühlen betrieben, welche eine Ölpresse und eine Bleiche bedienten (1861). Die Tonvorkommen wurden von zwei Töpfereien und einer Ziegelei genutzt. Die Kirche und die Schule wurden in Daubitz besucht.

 

Viereichen
(jetzt Hammerstadt, Altliebel, Neuliebel)Mochholz 1902

Die Gemeinde Viereichen selbst ist das Resultat des Zusammenschlusses der Gemeinden Viereichen, Hammerstadt und Altliebel zum 1. Januar 1973. Die Gemeinde Viereichen entstand aus den Dörfern Mocholz, Zweibrück und Viereichen, die Gemeinde Altliebel aus den Dörfern Nappatsch, Neuliebel und Altliebel. Die ersten Erwähnungen stammen aus den Jahren 1517 (Hammerstadt), 1590 (Neuliebel), 1597 (Mocholz) und 1617 (Nappatsch). Die Bevölkerung war überwiegend wendischer Herkunft, daher auch die wendische Predigt im Kirchspiel Daubitz, bis 1858 die Orte Altliebel, Nappatsch, Mocholz, Viereichen und Zweibrück dem Reichwalder Kirchspiel eingemeindet wurden. Die Orte Neuliebel und Hammerstadt verblieben bis 1931 beim Kirchspiel Daubitz und gehören seitdem zur Rietschener Kirchgemeinde. Rittergüter gab es in den Orten Hammerstadt ab 1517, Altliebel ab 1635, Neuliebel ab 1663 und Nappatsch ab 1644. Die ersten Schulen in dieser Gegend entstanden 1772 in Mocholz und 1748 in Hammerstadt.

 


Lederpappenfabrik 1901Historische Aufzeichnungen belegen, dass sich in Hammerstadt (Hamorsk) seit dem 16. Jahrhundert ein Eisenhammer befand, der das Eisengestein aus der Heide bearbeitete. Später wurde an gleicher Stelle eine Lederpappenfabrik betrieben. Die Land-, Forst- und Fischwirtschaft gehörten stets zum Haupterwerb der dort lebenden Bevölkerung.

Die Entwicklung der Gemeinde Viereichen insgesamt wurde durch die Erklärung zum Braunkohlenschutzgebiet jäh gehemmt. Der herannahende Kohlentagebau Reichwalde stellte eine ständige Gefahr der Überbaggerung dar. Nach der Wende konnte durch die Proteste der Bewohner und durch Verhandlungen zwischen Kommunalpolitkern und Unternehmen erreicht werden, dass nur ein Teil der Dörfer und der herrlichen Wald- und Teichlandschaft weichen muss. Die Orte Viereichen, Zweibrück, Mocholz und Altliebel wurden geräumt und existieren nun nicht mehr. Übrig blieben die Orte Hammerstadt, Neuliebel und Nappatsch. Nappatsch wurde nachträglich in Altliebel umbenannt.

Bücher über die Gemeinde Rietschen und seine Ortsteile

„Daubitz – Schönes Dorf am Weißen Schöps 650 Jahre“

Buchdeckel "Daubitz - Schönes Dorf am Weißen Schöps, 650 Jahre"Herausgeber: Daubitzer Heimatverein e.V. – 1. Auflage 2016
Taschenbuch: 131 Seiten
Preis: 5,00 €
Erhältlich beim Daubitzer Heimatverein e.V. und in den Filialen der Bäckerei Höfchen in Rietschen und Daubitz und dem Daubitz-Markt (Telefon 035772 40224).

„Rietschen – Geschichte und Geschichten“

Buchdeckel Rietschen Geschichte und GeschichtenHerausgeber: Gemeindeverwaltung Rietschen – 1. Auflage 2000
Gebundene Ausgabe: 104 Seiten
Preis: 10,00 €
Erhältlich in der Tourist-Information im Erlichthof.

 

„Geschichten eines Lausitzer Heidedorfes“

Buchdeckel "Geschichten eines Lausitzer Heidedorfes"Herausgeber: Theodor Fischer – 1. Auflage 2016
Taschenbuch: 202 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN-13: 978-3869293493
Erhältlich im Buchhandel

 

 

 

 

 

 

 

Fotonachweis:
Historische Fotos (5) - "Rietschen - Geschichte und Geschichten"